Bava Metzia 116

Kapitel 116

א איפכא מסתברא אמר ליה איסמיה
1 das Entgegengesetzte leuchtetja ein!? Jener fragte: Soll ich [diese Lehre] streichen?
ב אמר ליה לא הכי קאמר קדשים שחייב באחריותן חייב דאיתרבו מבה' וכחש ושאינו חייב באחריותן פטור דאמעיט מבעמיתו וכחש:
2 Dieser erwiderte: Nein, dies ist wie folgt zu verstehen: Wegen des Heiligen, für das [der Eigentümer] haftbar ist, ist man schuldig, denn dieses ist einbegriffenin [den Worten] <i>und es Gott ableugnet</i>; und für das er nicht haftbar ist, ist man frei, denn dieses ist ausgeschlossendurch [die Worte] <i>und es ableugnet seinem Nächsten</i>.
ג רבי יהודה אומר אף המוכר ספר תורה מרגלית ובהמה אין להם אונאה: תניא רבי יהודה אומר אף המוכר ספר תורה אין לה אונאה לפי שאין קץ לדמיה בהמה ומרגלית אין להם אונאה מפני שאדם רוצה לזווגן
3 R. J<small>EHUDA SAGT, AUCH WENN JEMAND EINE</small> T<small>ORAROLLE, EINE</small> P<small>ERLE ODER EIN</small> V<small>IEH VERKAUFT, GEBE ES HIERBEI KEINE</small> Ü<small>BERVORTEILUNG</small>. Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Auch wenn man eine Torarolle verkauft, gibt es hierbei keine Übervorteilung, weil deren Wert unbeschränkt ist. Bei einem Vieh und einer Perle gibt es ebenfalls keine Übervorteilung, weil man sie zu einem Paare haben will.
ד אמרו לו והלא הכל אדם רוצה לזווגן ורבי יהודה הני חשיבי ליה והני לא חשיבי ליה ועד כמה אמר אמימר עד כדי דמיהם
4 Man entgegnete ihm: Man will ja auch alles andere zu einem Paare haben. – Und R. Jehuda!? – Diese sind besonders wertvoll, andere Dinge aber nicht. – Bis wieviel!? Amemar erwiderte: Bis zu ihrem Werte.
ה תניא ר' יהודה בן בתירא אומר אף המוכר סוס וסייף וחטיטום במלחמה אין להם אונאה מפני שיש בהן חיי נפש:
5 Es wird gelehrt: R. Jehuda b. Bethera sagte: Wenn jemand im Kriege ein Pferd, ein Schwert oder ein Schildverkauft, so gibt es hierbei ebenfalls keine Übervorteilung, weil sie das Leben erhalten.
ו <big><strong>מתני׳</strong></big> כשם שאונאה במקח וממכר כך אונאה בדברים לא יאמר לו בכמה חפץ זה והוא אינו רוצה ליקח אם היה בעל תשובה לא יאמר לו זכור מעשיך הראשונים אם הוא בן גרים לא יאמר לו זכור מעשה אבותיך שנאמר (שמות כב, כ) וגר לא תונה ולא תלחצנו:
6 <b>W</b><small>IE ES EINE</small> Ü<small>BERVORTEILUNG</small><small>BEI</small> K<small>AUF UND</small> V<small>ERKAUF GIBT, SO GIBT ES AUCH EINE</small> K<small>RÄNKUNG</small><small>DURCH</small> W<small>ORTE</small>. M<small>AN DARF NICHT NACH DEM</small> P<small>REISE EINER</small> S<small>ACHE FRAGEN, WENN MAN SIE NICHT ZU KAUFEN BEABSICHTIGT</small>. H<small>AT JEMAND</small> B<small>USSE GETAN, SO DARF MAN NICHT ZU IHM SAGEN: DENKE AN DEINE FRÜHEREN</small> T<small>ATEN</small>. S<small>TAMMT JEMAND VON</small> P<small>ROSELYTEN, SO SAGE MAN NICHT ZU IHM: DENKE AN DIE</small> T<small>ATEN DEINER</small> V<small>ORFAHREN, DENN ES HEISST</small>:<i>einen Fremdling</i><i>sollst du nicht kränken und nicht bedrücken</i>.
ז <big><strong>גמ׳</strong></big> ת"ר (ויקרא כה, יז) לא תונו איש את עמיתו באונאת דברים הכתוב מדבר אתה אומר באונאת דברים או אינו אלא באונאת ממון כשהוא אומר (ויקרא כה, יד) וכי תמכרו ממכר לעמיתך או קנה מיד עמיתך הרי אונאת ממון אמור הא מה אני מקיים (ויקרא כה, יז) לא תונו איש את עמיתו באונאת דברים
7 GEMARA. Die Rabbanan lehrten:<i>Ihr sollt euren Nächsten nicht kränken</i>, die Schrift spricht von der Kränkung durch Worte. Du sagst, von der Kränkung durch Worte, vielleicht ist dem nicht so, sondern von geldlicher Übervorteilung? Wenn es heißt:<i>wenn du etwas an deinen Nächsten verkaufst oder etwas aus der Hand deines Nächsten kaufst</i>, so wird ja schon von der geldlichen Übervorteilung gesprochen, somit deutet [der Schriftvers]: <i>ihr sollt euren Nächsten nicht kränken</i>, auf die Kränkung durch Worte.
ח הא כיצד אם היה בעל תשובה אל יאמר לו זכור מעשיך הראשונים אם היה בן גרים אל יאמר לו זכור מעשה אבותיך אם היה גר ובא ללמוד תורה אל יאמר לו פה שאכל נבילות וטריפות שקצים ורמשים בא ללמוד תורה שנאמרה מפי הגבורה
8 Hat jemand beispielsweise Buße getan, so sage man nicht zu ihm: denke an deine früheren Taten. Stammt jemand von Proselyten, so sage man nicht zu ihm: denke an die Taten deiner Vorfahren. Wenn jemand Proselyt ist und die Tora lernen will, so sage man nicht zu ihm: ein Mund, der Aas, Totverletztes, Ekel- und Kriechtieregegessen hat, will nun die Tora lernen, die aus dem Munde der Allmacht gesprochen wurde.
ט אם היו יסורין באין עליו אם היו חלאים באין עליו או שהיה מקבר את בניו אל יאמר לו כדרך שאמרו לו חביריו לאיוב (איוב ד, ו) הלא יראתך כסלתך תקותך ותום דרכיך זכר נא מי הוא נקי אבד
9 Kommen über jemand Züchtigungen, kommen über jemand Krankheiten, oder begräbt jemand seine Kinder, so spreche man nicht zu ihm, wie die Genossen zu Ijob sprachen:<i>Ist deine Gottesfurcht nicht dein Vertrauen, und deine Hoffnung dein redlicher Weg. Bedenke doch, wer kam je schuldlos um</i>.
י אם היו חמרים מבקשין תבואה ממנו לא יאמר להם לכו אצל פלוני שהוא מוכר תבואה ויודע בו שלא מכר מעולם ר"י אומר אף לא יתלה עיניו על המקח בשעה שאין לו דמים שהרי הדבר מסור ללב וכל דבר המסור ללב נאמר בו ויראת מאלהיך
10 Suchen Eseltreiber Futter, so sage man nicht zu ihnen: geht zu jenem, er verkauft Futter, während man von jenem weiß, daß er niemals Futter verkauft hat. R. Jehuda sagte: Man darf auch, wenn man kein Geld hat, nicht die Augen auf eine Warerichten. Dies alles ist dem Herzenanvertraut, und von Dingen, die dem Herzen anvertraut sind, heißt es:<i>du sollst dich vor deinem Gott fürchten</i>.
יא א"ר יוחנן משום ר"ש בן יוחאי גדול אונאת דברים מאונאת ממון שזה נאמר בו (ויקרא כה, יז) ויראת מאלהיך וזה לא נאמר בו ויראת מאלהיך ור' אלעזר אומר זה בגופו וזה בממונו רבי שמואל בר נחמני אמר זה ניתן להישבון וזה לא ניתן להישבון
11 R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Die Kränkung durch Worte ist eine schwerere [Sünde] als die geldliche Übervorteilung, denn bei jener heißt es:<i>du sollst dich vor deinem Gott fürchten</i>, und bei dieser heißt es nicht: <i>du sollst dich vor deinem Gott fürchten</i>. R. Elea͑zar begründete: Jene betrifft seinen Körper, diese aber sein Vermögen. R. Šemuél b. Naḥmani begründete: Diese kann zurückgezahlt werden, jene aber kann nicht zurückgezahlt werden.
יב תני תנא קמיה דרב נחמן בר יצחק כל המלבין פני חבירו ברבים כאילו שופך דמים א"ל שפיר קא אמרת דחזינא ליה דאזיל סומקא ואתי חוורא אמר ליה אביי לרב דימי במערבא במאי זהירי א"ל באחוורי אפי דאמר רבי חנינא הכל יורדין לגיהנם חוץ משלשה
12 Ein Jünger rezitierte vor R. Naḥman b. Jiçḥaq: Wenn jemand seinen Nächsten öffentlich beschämt, so ist es ebenso, als würde er Blut vergießen. Dieser sprach: Du hast recht; wir sehen auch, wie die Röte schwindetund die Blässe kommt. Abajje sprach zu R. Dimi: Wovor nehmen sie sich im Westenin acht? Dieser erwiderte: Vor der Beschämung [anderer], R. Ḥanina sagte nämlich: Alle steigen ins Fegefeuer hinab, ausgenommen drei. –
יג הכל ס"ד אלא אימא כל היורדין לגיהנם עולים חוץ משלשה שיורדין ואין עולין ואלו הן הבא על אשת איש והמלבין פני חבירו ברבים והמכנה שם רע לחבירו מכנה היינו מלבין אע"ג דדש ביה בשמיה
13 Alle, wie kommst du darauf!? – Vielmehr, alle, die ins Fegefeuer hinabsteigen, kommen zurück herauf, ausgenommen drei, die hinabsteigen und nicht mehr heraufkommen. Folgende sind es: wer eine verheiratete Frau beschläft, wer seinen Nächsten öffentlich beschämt, und wer seinen Nächsten beim Spottnamen nennt. – Das Nennen beim Spottnamen gehört ja zur Beschämung!? – Auch in dem Falle, wenn er daran schon gewöhnt ist.
יד אמר רבה בר בר חנה אמר רבי יוחנן
14 Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: